Samstag, 13. August 2011

Es ist viel passiert....


Servus miteinander!

Sorry fuer die lange Wartzeit - ich weiss es ist ein paar Wochen her seit dem lezten Eintrag. Zu meiner Entschuldigung kann ich nur sagen, dass wir die letzten Wochen am Rande der Zivilisation unterwegs waren und Internet, manchmal sogar simple Elektrizitaet, nicht einfach zu haben war. Ich weiss was jetzt ein paar denken: "Aber Nahia hat doch Eintraege veroeffentlicht..!" Ja wir hatten ein paar mar die Internetzugang, aber mir fehlt schlicht und ergreiffend die Geduld, bei einer 64 KB Internetleitung Stunden zu warten, bis der Eintrag endlich auf der Webpage erscheint. (Einmalvmussten wir sogar Benzin kaufen um den Generator zu betreiben, der den Strom fuer den Internetzugang erzeugte!)

So, genug davon. Reden wir lieber davon was passiert ist. Der letzte Eintrag handelte davon, wie wir optimistisch in den Pamirs angekommen sind und voller Zuversicht einen lieben, braven Esel kaufen wollten, mit grossen Kulleraugen, der treu mit uns die lange Reise zu Fuss durchs Gebirge antritt und von dem wir uns am Ende der beschwerlichen Reise nur schweren Herzens trennen werden...

Drecksviech dreckertes!

Wir haben also einen Esel gekauft, zugegeben ein stattliches Tier. Wir haben in einen Schnellkurs den Eselfuehrerschein gemacht: wie man Gepaeck am Esel befestigt, welche Kommandos das Ding versteht und das wichtigste von allem: immer fest auf den Esel eindreschen wenn er nicht vorwaerts geht. Letzteres sollte man permanent mindestens alle 10 Sekunden wiederholen zusammen mit dem Kommando "Ichhhh" (Ausgesprochen wie von einem Schweizer auf Ekstasie, also mit ein "chhhh" das tief aus dem Rachen kommt und in ein "rrrr" uebergeht). Dieses "Iccchhhhh" laest einem den Rachen innerhalb weniger Minuten austrocknen...
Alles in allem erlaubt einem so ein Esel nicht wirklich sich der spektakulaeren Bergwelt von der harmonischen, ruhigen Seite zu naehern da man vor lauter "icchh" und Stockschlaegen sich voll auf den Esel konzentrieren muss. Soweit allerdings allerdings noch alles nicht die Schuld des Esels. Die Viecher werden halt so trainiert. Was uns allerdings keiner gesagt hat ist, dass man in den Pamirs Esel nur im Winter bei sehr kalten Temperaturen einsetzt. Im Sommer bevorzugen die Leute die Sachen mit Jeeps zu transportieren  und die Esel bevorzugen es, einfach nur auf der Wiese rumzuliegen, Gras zu fressen und fett zu werden. Dementsprechend begeistert war unser Esel auch, dass fuer ihn der Winter drei Monate zu frueh begann, und dann auch noch bei Temperaturen, die locker 30 Grad erreichten...

Des Esels Antwort auf eine derartige Arbeitsumgebung war simpel, aber sehr effektiv: hinlegen und nicht wieder aufstehen! Kaum waren wir unterwegs und es wurde ein bisschen waermer, hat sich der Esel hingelegt und war mit keinem noch so inbruenstig geschweizerten "Iccchhhhh" oder anfangs sanften, spaeter weniger sanften und noch spaeter verzweifelten Stockschlaegen zum Aufstehen zu Bewegen. Auch die zahlreiche ich-zeig-den-dummen-Touristen-mal-wie-man-einen-Esel-behandelt Hilfe der Einheimischen konnte den Esel nicht ueberzeugen und so haben wir beschlossen auf Esel 2.0 upzugraden. Esel 1.0 wurde schlicht und erfreiffend verkauft und wir haben unsere Rucksaecke auf 20 bzw. 30 Kilogramm anschwellen lassen und haben uns selber zum Esel gemacht.


Von da an wars dann zwar anstrengend, aber wunderschoen! Entlang der afghanischen Grenze, das spektakulaere Hindu-Kusch Gebirge mit seinen 7.000ern also Hintergrundpanorama gings uber verschneite Paesse (der hoechste war 4.700 Meter!) von einem Tal ins andere. Dazwischen einfach nur atemberaubende Landschaft, ein paar Abenteuer (wir sind einmal auf einem Pass in einen Schneesturm geraten dem wir dann 45 Km "davongelaufen" sind, bis wir endlich keine Blitze und Donnergrollen mehr wahrnehmen konnten...) und viiiiiieeeel Schweiss. Nach 350 km ohne warmes Essen (dank dem Esel mussten wir auf unser Gas zum Kochen versichten - die Flasche wog 20 kg - und wir mussten uns von Brot, Trockenfruechten und Dosenfisch ernaehren) sind wir nach 16 Tagen in Murghab angekommen. Murghab ist genaugenommen eine haessliche Ansammlung heruntergekommener Ex-Sowjet Huetten, die keiner gebaut und gebraucht haette, haette nicht jemand in Moskau beschlossen, das es dort einen grossen Militaerstuetzpunkt braucht. Die Sowjets und das Militaer sind dann irgendwann verschwunden und zurueckgeblieben ist wirklich nur ein kleines Drecksnest, das nur ein paar Stunden pro Tag ueber genuegend Strom verfuegt, um eine Gluehbirne schwach zum glimmen zu bringen.

Uns kam es allerdings nach ueber zwei Wochen "Diaet" wie eine Oase der Zivilisation vor, da man dort so unglaubliche Dinge wie eine Wassermelone oder abgelaufene Schokoriegel kaufen konnte. Auch gab es wieder warmes Essen nachdem wir eine "Gastfamilie" gefunden hatten und einmal pro Woche ein "Banja" - eine russische Erfindung die einen Mix aus Dusche und Sauna darstellt, bei der Maenner (oder am naechsten Tag dann die Frauen - leider niemals zusammen...) sich gegenseitig in einem heissen Raum mit noch heisserem Wasser  vollspritzen.

Weils dort so schoen war, haben wir dann 1 1/2 Wochen in  Murghab und Umgebung verbracht, uns Fahrraeder ausgeliehen, heisse Quellen besucht (liest sich einfach, ist aber eine zwei Tagestour, kombiniert aus fahradfahren, ueber weggeschwemmte Strassen klettern und einem 10 km Orientierungslauf), ein Reitfest der Nomaden angesehen und wieder Kraefte getankt, bevor es dann nach Kirgistan weiterging. Letzteres war gar nicht so einfach, da Murghab so am oder besser gesagt im Arsch der Welt liegt, dass keine oeffentlichen Verkehrsmittel dort hin- oder wieder wegfuehren und nur unregelmaessig ein Auto alles 1 bis zwei Wochen seinen Weg nach Kirgistan findet - ausser man ist bereit fuer 250 km Fahrt 300,- Dollar pro Person zu bezahlen, was wir nicht waren und so hatten wir mit viel Glueck, Geduld und Hartnaeckigkeit einen Sitzplatz ein einem Jeep gefunden, der neben uns noch 10 andere Personen befoerdet hat.


Nach insgesamt 5 Wochen sind wir dann von Tadjikistan nach Kirgistan aufgebrochen und mit uns im Gepaeck hatten wir wunderschoene Erinnerungen. Hinter uns lag eine super Zeit und vor uns ein neues Land!

Mehr dazu im naechsten Blog.

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hi Nahia & Tom,
haben lange auf einen neuen Eintrag gewartet, aber das wichtigste ist, ihr beide seid wohlauf. Tom das mit dem "Eselkauf" ist halt auch wie in Bayern, wenn ein Fremder(Laie) einem Bauern eine Kuh abkaufen will - wird dieser ihm die beste Kuh im Stall verkaufen?
Nach Nahia`s Einträge habt ihr mittlerweile chinesises Territorium erreicht und werdet bald nach Nepal reisen, somit erwarten wir gespannt euren nächsten Eintrag. Weiterhin eine schöne aber vielleicht eine etwas weniger anstrengende Reise wünschen euch M&P

Anonym hat gesagt…

Hallo Nahia, hallo Tom,

es macht echt Spaß Eure Reise zu verfolgen. Ich wünsche Euch, dass weiter alles gut verläuft. Holt Euch doch in der nächsten IKEA 'nen Bollerwagen für das Gepäck...

Lieben Gruß,

Jürgen M.

Anonym hat gesagt…

IRRE :)) Wahnsinn!!

Also ich finde dies alles super easy und entspannend bei euch. Ist ja nichts, absolut nichts im Vergleich zu unserem beschissenen, nicht vorhandenen, Sommer :-))

Euer Esel hätte sicherlich eine Freude bei uns gehabt :)

Wir freuen uns aber von euch beiden wieder zu lesen und zu wissen, dass ihr wohlauf seit. Macht viele, sehr viele Bilder. Wollen uns die bei euch in Spanien dann anschauen :)
Richtig gelesen! Wir haben uns so eben selbst eingeladen ... ;-)

Lasst es euch sehr gut gehen, kommmt heile an euer nächstes Ziel und viele Abenteuer noch ...

Viele liebe Grüße
Armin & Daniel

Anonym hat gesagt…

Hallo Ihr Beiden!
Anna war ganz traurig, weil Ihr den Esel wieder verkauft habt! Sie meinte, wir hätten genügend Platz für ihn gehabt! Schade, dass Ihr heute an Papa´s Geburtstag nicht dabei sein könnt! Vermissen Euch schon ganz stark! Trotzdem ist es sehr beruhigend, wenn ab und zu ein Eintrag von meinem Bruder kommt!!!!! Wünsche Euch von ganzem Herzen, dass Ihr gesundheitlich auf den Beinen bleibt.
Alles Liebe und tausend Bussis
Deine mittlere,große Schwester
Simone mit Anhang

Anonym hat gesagt…

..meldet euch mal, damit ich weiß, dass ich mir keine Sorgen machen muss

Gruß
Stephan